Mit dem Aufbau von Wärmenetzen, der Umstellung von Gas- und Ölheizungen auf Wärmepumpen, der schrittweisen Sanierung von älteren Gebäuden sowie dem Bau von Solar- und Windkraftanlagen kann die Stadt Bendorf die gesteckten Klimaziele erreichen. Das ist das zentrale Ergebnis der kommunalen Wärmeplanung, die im Rahmen einer sehr gut besuchten Informationsveranstaltung den Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt wurde.
Vertreterinnen und Vertreter der Energieversorgung Mittelrhein (evm) sowie des Beratungsunternehmens endura kommunal präsentierten die Ergebnisse in der Stadthalle. Die Analyse zeigt: Während sich dicht besiedelte Stadtteile für zentrale Wärmenetze eignen, sind in weniger verdichteten Gebieten individuelle Lösungen wie Wärmepumpen gefragt. Ziel ist es, bis spätestens 2045 auf fossile Brennstoffe zu verzichten und klimaneutral zu heizen. „Der Plan, der jetzt auf dem Tisch liegt, zeigt die Chancen auf, die wir in Bendorf haben. Klar ist dabei: Niemandem wird vorgeschrieben, was er tun muss. Vielmehr geht es um die Potenziale, die in unserer Stadt vorhanden sind“, betonte Bürgermeister Christoph Mohr.
Die Herausforderungen sind groß, wie Hubertus Hacke-Dietze von der evm betonte: 76 Prozent der Gebäude im Stadtgebiet werden mit Erdgas beheizt, 8 Prozent mit Öl. Auch die Alter der Gebäude sowie der Heizungsanlagen spielt eine große Rolle, wenn es um die Frage geht, wie und wie schnell eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu realisieren ist. 82 Prozent der Gebäude wurden vor 1978 gebaut, und rund 38 Prozent der Heizungen sind bereits älter als 20 Jahre und haben damit die technische Lebensdauer überschritten. Es besteht also Handlungsbedarf.
Flusswärmepumpe könnte Wärmenetze versorgen
Wie also kann die Transformation gelingen? Die entsprechende Strategie stellte Projektleiter Jochen Brosi von endura kommunal auf Basis umfangreicher Datenauswertungen vor. Dabei kann Bendorf von der Lage am Rhein profitieren. Dieser kann als Wärmequelle dienen und eine Flusswasserwärmepumpe versorgen. Das Potenzial bezeichnete Brosi als „riesig“: „Das Wärmepotenzial, das der Rhein bietet, ist 28-mal so hoch wie der komplette Wärmebedarf der Stadt Bendorf.“ Für den Betrieb von Wärmenetzen eignen sich vor allem die Kernstadt, das Gebiet Sayner Hütte/Abteistraße und der Bereich Mülhofen Süd entlang der Stadtgrenze zu Neuwied.
Individuelle Lösungen für weitere Stadtgebiete
In den übrigen Stadtgebieten, die sich nicht für Fernwärme eignen, geht es um individuelle Lösungen für die jeweiligen Gebäude. In vielen Fällen ist der Umstieg auf eine Wärmepumpe das Mittel der Wahl. Auch Solarthermie könnte zum Einsatz kommen. Neben dem reinen Umstieg auf klimaneutrale Wärmelösungen geht es aber auch um die Reduzierung des Energiebedarfs, wie die Planer von evm und endura im Wärmeplan festhalten. Der Umstieg auf moderne, effiziente Heizarten verringert dabei den Energiebedarf ebenso wie die Sanierung von Gebäuden, etwa durch eine Verbesserung der Dämmung. Notwendig ist laut Plan eine Sanierungsquote von jährlich zwei Prozent oder umgerechnet 94 Gebäuden im Jahr. Um den zusätzlichen Strombedarf für den Betrieb von Wärmepumpen zu decken, sieht der Wärmeplan zudem einen Ausbau der erneuerbaren Energie aus. In einem Gebiet an der A48 könnten Windkraftanlagen errichtet werden. Alternativ oder zusätzlich können Potenziale für weitere Photovoltaikanlagen genutzt werden.
„Die kommunale Wärmeplanung zeigt klar, dass wir in Bendorf gute Chancen haben, unsere Wärmeversorgung Schritt für Schritt klimaneutral aufzustellen. Entscheidend ist, dass wir die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig informieren und sie auf diesem Weg mitnehmen“, so Bürgermeister Mohr.
Viele Bürgerfragen

In der anschließenden Fragerunde drehten sich die meisten Fragen der Bürgerinnen und Bürger um die möglichen Wärmenetze. Viele wollten wissen, wie die nächsten Schritte aussehen. Für die evm erklärte Unternehmenssprecher Marcelo Peerenboom, dass im nächsten Schritt zunächst Machbarkeitsstudien für die Gebiete erstellt werden müssten. Fällt das Ergebnis positiv aus, muss ein Betreiber gefunden werden, der die Wärmenetze bauen möchte. „Wenn sich genügend Interessenten finden, die einen Anschluss wünschen, stehen die Chancen für eine Realisierung gut“, so Peerenboom.
Individuelle Beratung durch Experten
Im zweiten Teil der Veranstaltung erläuterte Mark Specht von der Verbraucherzentrale die einzelnen Heizungsmöglichkeiten und machte auf die oft kostenlosen Beratungsangebote aufmerksam. Außerdem hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, ihre individuellen Fragen mit Experten zu besprechen. Hierfür standen Energieberater aus der Region zur Verfügung. Sie gaben unter anderem Auskunft darüber, welche Sanierungsmaßnahmen in Wohnhäusern sinnvoll ist und welche Fördermöglichkeiten es aktuell gibt.
Bis zum 26. März haben Bürgerinnern und Bürger noch die Möglichkeit, Stellungnahmen abzugeben, bevor der Stadtrat den Plan dann final beschließt. Den kompletten Wärmeplan inklusive der entsprechenden Karten finden Bürgerinnen und Bürger im Internet: www.bendorf.de/wärmeplanung.

